Flaschenpost
Es gibt sie, die Superreichen!
Es ist kein Märchen. Es gibt tatsächlich Menschen, die gar nicht wissen wie viel sie genau besitzen. Sie haben Häuser, Wohnungen, Aktien, Juwelen, Firmen, gut gefüllte Konten strategisch klug über den Globus platziert. Sie rechnen gar nicht mehr. Einnahmen und Ausgaben sind überflüssige Denkkategorien. Egal, welchen Luxus sie sich leisten wollen, es geht sich immer aus! Das Geld arbeitet für sich, für sie. Es mehrt sich unaufhörlich. Alle Türen stehen diese Menschen offen, und nichts kann ihnen anhaben.
Es sind Menschen wie du und ich, aber mit einem völlig anderen Hintergrund. Sie wissen nicht, was Armut ist. Sie wissen nicht was es heißt in Jobs festzustecken, die einen kaputt machen. Sie kennen nicht die Angst, die Existenz zu verlieren, oder Rechnungen nicht mehr zahlen zu können. Sie kennen nicht den Schmerz ihre Kinder nicht alles für die Zukunft geben, oder sie für Hänseleien schützen, zu können.
Es gibt sie, die Superreichen, aber wir kennen sie nicht. Und sie kennen uns nicht. Es gibt keinen Platz, wo wir uns treffen könnten, wo wir nebeneinandersitzen und uns kennenlernen könnten. Wir leben in getrennten Welten. Nirgends auf der Erde gibt es einen Ort, wo wir uns zufällig begegnen könnten, wo Neugier und Interesse am anderen wachsen kann.
Deswegen diese Flaschenpost, diese Botschaft für den Ozean, der unsere Realitäten trennt. Ich weiß nicht, ob sie jemals von einem Superreichen gelesen werden wird, ob diese Zeilen je an Land spülen werden. Aber den Versuch ist es wert: den Versuch, die Kluft zu überbrücken, den Versuch, Kontakt zu knüpfen und sich gegenseitig zu verstehen.
Wenn du kein Superreicher bist, dann wirf mich zurück ins Meer! Übergib mir wieder dem Ozean und den Wellen, damit das Wunder geschehen kann! Wirf mich zurück, damit diejenigen, die die Macht haben, die ungeheure Ungleichheit aufzulösen, mich finden können.
Bist du noch da? Wunderbar! Dann haben wir uns gefunden! Ich rede mit dir, als wäre nichts gewesen. Wie unglaublich schön!
Du hast die Möglichkeit, die Welt gerechter zu machen, Frieden zu schaffen! Ich stelle mir das sehr toll vor. Du kannst das Leben von viele Menschen, die um ihr Überleben kämpfen müssen und leiden, erleichtern. Du hast das Gewicht, Strukturen der Gerechtigkeit zu schaffen und die Hoffnung auf eine richtige Weltgemeinschaft keimen zu lassen. Du hast die Tools um Spaltung entgegenzuwirken. Du kannst reisen, absteigen, entgegengesetzte Positionen erkunden und verbinden. Du kannst dafür sorgen, dass die Umwelt intakt bleibt und die Lebensgrundlage von vielen auf diese Art gesichert ist. Du kannst uns allen das Paradies näherbringen. Wie herrlich muss es sein, so viel Gestaltungskraft in den Händen zu halten.
Du bist derzeit unsichtbar. Das ist okay, verstehe ich. Du kannst im Schatten wirksam werden – für die gute Sache, für Demokratie, für eine solidarische Weltgemeinschaft. Wenn nicht aus Überzeugung, dann vielleicht aus Langeweile.
Auch wenn du unsichtbar bleibst, vielleicht packt dich, genau wie mich, die Sehnsucht uns kennenzulernen und diese verdammte Kluft zu schließen. Vielleicht finde ich von dir auch mal Flaschenpost. Es wäre ein Wunder, aber ich glaube an Wunder. Ich werde warten, jeden Tag, und werde voller Freude Ausschau halten.
Geschrieben während die Vertiefungstage mensch & arbeit 2025 zum Thema: „Ein universaler Horizont, eine Stimme die Mauern stürzen lässt“, und veröffentlicht anlässlich der Fat Cat Day, 6. Jänner 2026, der Tag an dem Topmanager brutto so viel verdient haben wie durchschnittliche Arbeitnehmer:innen in einem Jahr. Infos auf Fat Cat Day 2026 - High Pay Centre