Ein Leben für Gerechtigkeit und Menschlichkeit
Brückenbauer zwischen Arbeitswelt und Kirche
Mit der Gründung und Förderung der Betriebsseelsorge schuf Bischof Maximilian Räume, in denen sich Kirche und Arbeitswelt begegnen konnten. Aus diesen Begegnungen sind Netzwerke, Freundschaften und Initiativen entstanden, die bis heute tragen.
1985 regte er im Rahmen einer Pfarrvisitation die Gründung der Betriebsseelsorge in Braunau an. Bald folgten die Betriebsseelsorge Vöcklabruck und der Treffpunkt Pflegepersonal.
Auch die Bischöfliche Arbeitslosenstiftung (1987), der Sozialhirtenbrief 1990, das ökumenische Sozialwort sowie seine Mitbegründung des heutigen Mauthausen Komitees tragen deutlich seine Handschrift. 1997 unterzeichnete er mit 30 Vertreter:innen wichtiger gesellschaftlicher Gruppierungen die Allianz für den freien Sonntag, die bis heute ein starkes Zeichen für menschenwürdige Arbeitszeiten setzt.
Ein Herz für Arbeitnehmer:innen
Seine große Wirkkraft lag in seiner Leidenschaft für die soziale Frage. Dabei war sein zentrales Anliegen immer der Mensch – besonders die arbeitenden Menschen und ihre Lebensbedingungen. In vielen Begegnungen zeigte er echtes Interesse am Alltag der Menschen in den Betrieben. Vielleicht hatte das auch mit seinem eigenen Weg zu tun: Als junger Mann arbeitete er in der Fleischhauerei seiner Eltern und kannte die Herausforderungen der Arbeitswelt aus eigener Erfahrung.
Christian Leonfellner, Vorsitzender der KAB OÖ, erinnert sich:
„Unvergessen bleibt für mich, wie er in St. Georgen im unterirdischen Stollen die Gedenkstätte für Marcel Callo einweihte. Auf dem Weg dorthin nahm er mich beiseite und sagte, wie wichtig unsere Arbeit in der KAB ist – weil wir dort sind, wo Menschen einen Großteil ihrer Lebenszeit verbringen und Arbeit ein so wesentlicher Teil des Lebens ist. Weil wir dort sind, wo Menschen unter Druck kommen.“
Er war ein guter Zuhörer und hat sich für das einfache Leben interessiert. Vielen Menschen begegnete er mit tiefem Wohlwollen und Offenheit. Ein großes Zeichen seiner Wertschätzung war seine Gabe, diese Begegnungen im Herzen zu behalten. Er konnte sich an Gesichter, Namen und Lebensgeschichten erinnern wie kaum ein anderer. Dieses Erinnern schuf Nähe und Vertrauen.
Christian Leonfellner beschreibt es so: „Die Sorgen der Menschen waren ihm ein großes Anliegen. Er unterstützte uns in der ehrenamtlichen Arbeit mit echter Wertschätzung und mit anregenden, mutmachenden Worten.“
Sein Blick auf die Welt – und auf uns
Bischof Maximilian ermutigte uns immer wieder, uns die Freude am Glauben nicht nehmen zu lassen. Und zugleich mahnte er, uns von Ungerechtigkeiten, Armut und allem, was Menschen belastet oder ausgrenzt, berühren zu lassen.
Er war ein Bischof, der die Diözese geprägt und viele Türen geöffnet hat – dialogbereit, weitblickend und stets auch national und international denkend. Er sah Zusammenhänge und scheute sich nicht, sozialpolitische Themen deutlich anzusprechen.
„Bischof Maximilian war für mich eine Ermutigung bei meiner Berufswahl. Er hat die Kirche in Oberösterreich geprägt, tragfähige Strukturen gebaut und Erneuerungen unterstützt. Er hat klare Worte gefunden, wenn es um Ungerechtigkeiten oder Not ging. In diesem Geist der Entwicklung, konnte ich mich für die Mitgestaltung einer gesellschaftlich relevanten Kirche entscheiden.“ Michaela Pröstler-Zopf
Ein Vermächtnis, das bleibt
Für die KAB und die Betriebsseelsorge bleibt sein Wirken ein bleibender Auftrag.
Sein Einsatz für Gerechtigkeit, seine Nähe zu den Menschen und sein Vertrauen in die Kraft der christlichen Botschaft werden uns weiter begleiten und inspirieren.
Schon früh wurde deutlich, was ihn auszeichnete. Alois Riedelsberger brachte es in der Festschrift „Wie im Himmel so auf Erden“ zu seinem 80. Geburtstag auf den Punkt: „Vor allem seine Kompetenz in sozialen Themen und sein Engagement haben Maximilian Aichern zum Sozialbischof gemacht.“
Wir sind dankbar für sein Leben. Und wir tragen weiter, was ihm wichtig war.
(Michaela Pröstler-Zopf)