Bleiben oder gehen – Was hält Frauen in ihren Kirchen?
Grundsätzlich gilt, dass sich das Gefüge der Religionszugehörigkeit in Österreich verändert. Fühlten sich 1951 noch 89% der Österreicher:innen der katholischen Kirche zugehörig, waren es 2021, laut Statistik Austria, nur noch 55,2%. Auch die evangelische und altkatholische Kirche erleben eine Mitgliederabnahme.
Am KAB-Frauenstudientag teilgenommen haben sehr aktive ehren- und hauptamtliche Frauen, die sich beheimatet fühlen in den Diözesen, in der KAB, im christlichen Glauben. Engagement wird z.B. als Beitrag für ein Gutes Leben, als Dienst für andere, als sich selbst verwirklichen können, sich zugehörig fühlen, gesehen und gelebt. Dennoch berichteten die meisten Frauen von Momenten, in denen es für sie schwierig geworden sei, Mitglied zu sein und zu bleiben. Maria Moser identifizierte unterschiedliche Spannungsfelder für Frauen: u.a. von Selbstwirksamkeit und Ausschluss, Kampf-Ort und Schutz-Zone oder Institution und Bewegung.
Es ist wichtig, transparent Herausforderungen für Frauen zu benennen und hinzusehen. Auch die Zerrissenheit jener anzuerkennen, die sich tagtäglich engagieren, in dem Wissen, dass es innerkirchlich eine wirkliche Gleichstellung der Geschlechter noch lange nicht geben wird. Es braucht ein echtes Interesse daran verstehen zu wollen, wie sich das auf eine Person auswirkt.
Es tat gut, sich persönlich zu vernetzen sowie schwesterlich zu verbünden, um daraus wieder Kraft und Ideen für das individuelle Engagement zu schöpfen. Frauen tendieren dazu Potentiale zu sehen. Auch das hilft, um sich motivieren zu können, dranzubleiben, nicht aufzugeben, sondern zu versuchen Hoffnungsbilder zu entwickeln. Maria Moser warnt auch davor, dass Kirchen zu einem Hort von Antifeminismus werden, wenn Frauen gehen und sich dies auch auf die Gesellschaft insgesamt auswirken würde. Gründe zu bleiben wären z.B., dass Kirchen über nationale Grenzen hinweg Gemeinschaft stiften können, dass es eine Verlustkompetenz gibt, die über krisenhafte Zeiten hinweghilft und Hoffnung geben kann und dass uns das Evangelium anvertraut ist.
Und vielleicht hat es ja nicht nur Negatives, dass sich Menschen heute eher eigene Meinungen bilden als früher. Werte und Traditionen der Familie, einer Region wurden oft unhinterfragt übernommen, auch ein Kirchenmitglied zu sein. Dem war dann so, weil es sich so gehörte. Vielleicht sind diejenigen, die heute bleiben oder neu dazukommen, auch jene, die wirklich was wollen und sich tatsächlich verbunden fühlen? Vielleicht liegt darin auch eine Chance?
Wer mehr über den diözesanen Frauenarbeitskreis der KAB OÖ wissen möchte, kann sich gerne bei uns melden. Wir freuen uns!
Elisabeth Zeindlinger
Referentin Team mensch & arbeit, KAB OÖ
elisabeth.zeindlinger@diozese-linz.at