KI – zwischen Hype und Realität
„KI“ ist eine große Wette
Zuallererst „KI" ist eine große Wette – es werden enorme Summen in KI-System investiert.
Eine unglaubliche Zahl von 215 Milliarden Euro wird von Microsoft, Meta und Google investiert. Das Stargate-Projekt ist eine im Januar 2025 angekündigte, massive KI-Infrastrukturinitiative der USA mit einem Investitionsvolumen von bis zu 500 Milliarden Dollar.
Zum Vergleich das Jahresbudget der Republik Österreich beträgt 123,2 Mrd. Euro.
Eine Media Lab-Studie errechnete, dass 95 Prozent der KI-Unternehmen scheitern werden.
Der KI Anbieter Open AI hatte im dritten Quartal 2025 12 Millionen Euro Verlust; erst ab 2029 wird die Gewinnzone angestrebt. Viele Expert:innen sprechen von einer KI-Blase, und wenn sie platzt, hat das große wirtschaftliche Folgen für uns alle.
Wirkung auf die Gesellschaft
KI ist anderseits auch ein gesellschaftlicher und sehr einseitiger Diskurs. Studien der AK berichten, dass Arbeitsumfelder und Arbeitnehmer:innen kaum vorkommen – es geht fast ausschließlich um Wirtschaft und Technik.
In den österreichischen Medien prägt Sepp Hochreiter die Diskussion rund um KI, keine Sendung kommt ohne seine Meinung aus. Verschwiegen wird jedoch, dass er und Stefan Pierer ein gemeinsames Start-up im Bereich KI haben.
Der öffentliche Diskurs lässt die KI-Zukunft alternativlos erscheinen, doch es stehen nicht nur wissenschaftliche, sondern auch massive finanzielle Interessen im Vordergrund.
KI ist aber auch Politik und Macht
Die Tech-Bros rund um Jeff Bezos und Elon Musk verdrängen die älteren Eliten der Autoindustrie und führen zu massiven Veränderungen.
Zwei Drittel des Wachstums in den USA sind der KI-Industrie zuzuschreiben – und die Politik macht sich zunehmend von diesen Unternehmen abhängig; der Einfluss der Firmen steigt.
Was gerade in der EU mit dem Versuch der Regulierung (AI-Act) passiert, ist in den USA undenkbar: Dort genießen die KI-Unternehmen nahezu vollständige Freiheit.
Es braucht wirksame Umverteilungsmechanismen, um die enorme Macht- und Kapitalkonzentration zu unterbrechen.
KI gilt auch als Energiefresser
Zusätzlich ist KI ein geopolitischer Treiber: Die für Chips benötigten seltenen Erden werden von China als Druckmittel eingesetzt.
KI gilt auch als Energiefresser, und es werden immer mehr Rechenzentren gebaut. Aktuell errichtet gerade Google im oberösterreichischen Kronstorf ein Rechenzentrum, das so viel Strom wie 900.000 Haushalte benötigt. Zurzeit steht die Baustelle still, weil 50 von 70 Arbeiter dort nicht regelkonform angemeldet waren.
2030 wird die globale KI-Anwendung den Jahresstromverbrauch von Japan erreichen.
Eine KI-Google-Anfrage verbraucht dreimal mehr Energie als eine normale Suchanfrage.
Weitere Folgen: ausverkaufte Gaskraftwerke, weil Rechenzentren die Energie benötigen – ein enormer Preistreiber. Laptop und Handys werden um 40 Prozent teurer, weil die Chips immer teurer werden.
Auch die Arbeitswelt erlebt eine vollständige Umwälzung
Das Projekt von Peter Steinberger, Open Claw, entwickelte „A to A“ (agent to agent)‑Programme, bei denen KI‑Systeme einander unterstützen und autonom arbeiten. In Kaliforniern gibt es Plattformen für Arbeitsaufträge von KI an Menschen: Die KI stellt Arbeiter:innen selbst an und wird zum „Arbeitgeber“ für manuelle Tätigkeiten, die sie noch nicht ausführen kann.
Die Veränderung der Kommunikation und Digitalisierung, die die Arbeitswelt der Arbeiter:innen beeinflusst, hat eine lange Geschichte:
Von Wedgwood 1770 erfundenem betrieblichen Informationssystem über die verdeckte Zunahme von Informationssystemen im Industriezeitalter, die Beratungswelle der 1980er-Jahre, bis hin zur heutigen KI-Verwendung bleibt der Kampf um gerechte und menschenwürdige Arbeitsbedingungen bestehen.
KI ist derzeit ein digitales Doping für Systeme, die es schon lange gibt.
Grundlogik ist Statistik
KI ist ein Input und ein Output – was dazwischen passiert, macht sie selbst.
Das „Wie“ ist kein großes Geheimnis: die Grundlogik ist Statistik.
Chat-GPT erkennt Kernaussagen und generiert dann eine statistische Annäherung an die Anfrage. Alles, was als unwahrscheinlich erscheint, wird entfernt.
Der Begriff „Künstliche Intelligenz“, der seit 70 Jahren existiert, müsste eigentlich durch „Machine Learning“ ersetzt werden. Der Unterschied zum Menschen ist das Interesse – KI hat keines, weder am Input noch am Output. Es ist reine Statistik.
Arbeiter:innen arbeiten mit allen Sinnen, und eine KI kann das nicht.
Aktuelle Herausforderungen
KI könnte auch das Ende des Sozialstaates einläuten, wenn zu viele Menschen ihren Job verlieren. Es braucht eine menschenzentrierte Diskussion.
Als erstes sind in naher Zukunft die Programmierer:innen betroffen: Diese werden immer weniger gebraucht, weil KI zunehmend ihre Aufgaben übernimmt.
Martin Loishandl
Betriebsseelsorger mensch & arbeit Linz-Mitte
Der Sozialstammtisch ist eine Kooperationsveranstaltung von: Cardijn Haus, Bischöfliche Arbeitslosenstiftung der Diözese Linz, Katholische Arbeitnehmer:innen Bewegung OÖ, ÖGB-OÖ Bereich Bildung und Zukunftsfragen, Sozialreferat der Diözese Linz, Treffpunkt mensch & arbeit Linz-Mitte. Gefördert durch: Österreichische Gesellschaft für politische Bildung.