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Di. 16.06.26

Hofgeflüster: Extraktivismus, Widerstand und Rohstoffpolitik in Kolumbien

Solidaritätsfonds der KAB/KAJ

Solidaritätsfonds der KAB/KAJ

Solidarität für eine gerechtere Welt

Am Freitag, dem 12. Juni 2026, fand (wetterbedingt) in den neuen Räumlichkeiten bei Südwind OÖ das erste „Hofgeflüster“ statt. Im Mittelpunkt stand der Extraktivismus in Kolumbien – ein Thema, das globale Wirtschaftsinteressen, Umweltfragen und soziale Gerechtigkeit unmittelbar miteinander verknüpft.

Gemeinsam mit unserem Gast Fernando Jaramillo, Aktivist der Umweltplattform Mesa Ambiental und Teil der Widerstandsbewegung in Jericó (Kolumbien), sowie Jakob Rammer (Universität Wien, Internationale Entwicklung), diskutierten wir die Geschichte, Auswirkungen und die umkämpfte Realität rohstoffbasierter Entwicklungsmodelle.

 

Rohstoffreichtum als Konfliktfaktor

Kolumbien gilt als eines der artenreichsten Länder der Welt – ein Reichtum, der zunehmend unter Druck gerät. In den letzten Jahren ist die Zahl der Bergbaulizenzen massiv angestiegen, oft auch in oder nahe sensiblen Ökosystemen und indigener Schutzgebiete. Die Vergabe solcher Lizenzen erfolgt vielfach im Spannungsfeld ökologischer Risiken, wirtschaftlicher Interessen und unzureichender Einbindung der lokalen Bevölkerung.

 

Besonders im Fokus steht die Region Jericó, eine von mehreren Gebieten, in denen der multinationale Konzern AngloGold Ashanti aktiv ist und großflächige Bergbauprojekte plant.

 

Widerstand in Jericó

Fernando Jaramillo berichtete eindrücklich von den Erfahrungen vor Ort. So kam es unter anderem zu illegalen Probebohrungen, die Auswirkungen auf die lokale Trinkwasserversorgung hatten. Gleichzeitig wird der Widerstand durch Einschüchterung erschwert – unter anderem durch das Militär, das in vertraglichen Beziehungen mit Konzernen steht.

 

Trotz dieser Herausforderungen hat sich in Jericó eine breit getragene Widerstandsbewegung formiert. Was einst von wenigen getragen wurde, ist heute ein vielfältiges Netzwerk:

  • Frauen spielen mittlerweile auch eine zunehmend zentrale Rolle.
  • Die katholische Kirche unterstützt aktiv den Protest.
  • Straßenblockaden über mehrere Monate hinweg zählen zu den wichtigsten Aktionsformen.
  • Ein jährlicher, einwöchiger Marsch durch die Region stärkt die Mobilisierung und Sichtbarkeit.

Zentral ist dabei die klare Ausrichtung des Widerstands: Dieser richtet sich nicht gegen kleinstrukturierte, traditionelle Formen des Bergbaus, sondern gegen großindustrielle „Megaminería“-Projekte.

 

Strategien der Konzerne

Ein weiterer Diskussionspunkt waren die Strategien von AngloGold Ashanti, um Einfluss in der Region zu gewinnen. Dazu zählen gezielte Imagekampagnen: eigene Medienformate, Unterstützung lokaler Sportvereine oder Investitionen in Schulen. Diese Maßnahmen tragen dazu bei, sich als „bürgernah“ darzustellen – während gleichzeitig grundlegende Konflikte ungelöst bleiben.

 

Möglichkeiten und Grenzen des Widerstands

Jakob Rammer ergänzte die Perspektive um eine wissenschaftliche Einordnung. Er zeigte auf, dass zivilgesellschaftlicher Widerstand wichtige Impulse setzen und konkrete Erfolge erzielen kann – etwa die Verzögerung oder Verhinderung einzelner Projekte. Gleichzeitig stößt er jedoch an strukturelle Grenzen, insbesondere angesichts globaler Rohstoffinteressen und politischer Rahmenbedingungen.

 

Von der aktuellen Regierung unter Präsident Gustavo Petro gibt es in Teilen Unterstützung für lokale Umweltbewegungen. Dennoch blieb der Konflikt zwischen wirtschaftlicher Nutzung von Ressourcen und sozial-ökologischen Anliegen bestehen. Es bleibt zu hoffen, dass es bei den Wahlen in zwei Wochen nicht zu einem Regierungswechsel kommt, welcher sicherlich Verschlechterungen für die Widerstandsbewegung mit sich bringen würde. 

Heinz Mittermayr,

für den Solifonds der KAB/KAJ

Hofge- flüster
Kolumbien
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Veranstalter:innen: Südwind, Solifonds, Werkstatt für Frieden und Solidarität und Welthaus

Der Solifonds unterstützt den Widerstand durch die Mitfinanzierung einer rechtlichen Vertretung.

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