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Mi. 17.06.26

Wirtschaft breit denken

Das BIP ist nicht allheilig

Das BIP ist nicht allheilig

Die Gesundheit eines Wirtschaftssystems hat vor allem mit Marktdynamik und finanziellem Gewinn zu tun. Zumindest denken das viele. Weil uns nichts anderes gesagt wird. Banken und Ratingagenturen geben den Ton an, entscheiden darüber, was und wer kreditwürdig ist – und was oder wer nicht. Sie werden uns als die guten Hirten vorgestellt, die uns den Weg in ein geschmeidiges  Vorwärtskommen weisen.

 

Wirtschaft ist aber keine Naturwissenschaft. Ihre Logik ist menschengemacht und daher ein Konstrukt, das wir uns angeeignet haben. Es ist erschreckend, wie einseitig mittlerweile über Wirtschaft geredet und gedacht wird.

 

Eine historische Wahl

 

Derzeit wird das BIP (das Bruttoinlandsprodukt = die Gesamtsumme, die ein Land an Verkaufswert produziert und generiert) als Gradmesser herangezogen, um den Zustand unserer Wirtschaft einzuordnen.

 

Der Grund dafür? Das BIP wurde in den 1930er-Jahren vom Ökonomen Simon Kuznets entwickelt, um die damalige Wirtschaftskrise besser zu verstehen. Später, im Zweiten Weltkrieg, war das BIP hilfreich, um Produktionskapazitäten zu planen. Es wurde zum Standard – und heute baut das gesamte Wirtschaftstreiben darauf auf.

 

Die Entscheidung, die Gesundheit unseres Wirtschaftssystems ausschließlich in Geld auszudrücken, ist eine historische Wahl. Es gibt Alternativen.

 

Neue Kennzahlen als Antwort auf neue Krisen

 

Derzeit ist die Antwort auf andere Krisen gefragt: die Klimakrise, die Demokratiekrise, Menschenrechtskrise, Flüchtlingskrise, Versorgungskrise, Verteilungskrise.... Was wir hingegen nicht mehr haben, ist eine Produktionskrise. Ökonomen wie Jean Ziegler und John Kenneth Galbraith  sagen es schon lange: wir produzieren sogar zu viel. Das BIP als einziger Maßstab hat seine Berechtigung verloren.  Unsere Produktionswirtschaft schadet – sie tötet sogar, so Papst Franziskus und Papst Leo XIV. in den aktuellen Enzykliken Laudato si’ und Magnifica Humanitas.

 

Als Antwort auf die neuen Krisen braucht es andere Kennzahlen. Es gibt sie schon. Sie fallen nur nicht ins Gewicht. Sie werden von Finanzspekulanten, multinationalen Konzernen und Investoren ignoriert oder sogar blockiert. Die Gier nach Geld und Gewinnmaximierung ist bei diese Akteur:innen, vielleicht auch bei uns, scheinbar zu groß um neue Kennzahlen eine wirkliche Chance zu geben.

 

Wie schön wäre die Welt, wenn Kennzahlen wie der Glücksindex, der Better Life Index oder die Indikatoren der Nachhaltigkeitsziele bei der Gestaltung unserer Wirtschaft entscheidend ins Gewicht fallen würden.

 

Theoretisch wäre es möglich, die Wirtschaft anhand anderer Parameter zu lenken und sie anhand anderer Kennzahlen auszurichten. Es würde uns ermöglichen, die sogenannten neuen Krisen einheitlicher und gezielter zu bewältigen. Dafür braucht es aber zuerst das Bewusstsein, dass Wirtschaftslogik geändert werden kann.

 

Wirtschaft breit denken! Das wollen wir uns wieder angewöhnen. Das wollen wir lernen. Darin wollen wir uns üben. Weil es so ungewöhnlich und wichtig ist, und weil wir das offene Denken nicht verlieren wollen, setzen wir, mensch & arbeit, ab jetzt jährlich in Juni zumindest einige Impulse dazu. 

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