Hier arbeitet die Natur
Hier arbeitet die Natur
Böden erfüllen zahlreiche Funktionen für die Umwelt und für die Menschen und bilden unsere Lebensgrundlage. Weltweit enthalten Böden drei- bis viermal so viele Organismen hinsichtlich Biomasse und Artenvielfalt wie alle oberirdischen Lebensräume zusammen. Diese Organismen sind die treibende Kraft der Bodenbildung und entscheidend für die Qualität und Fruchtbarkeit unserer Böden.
90 Prozent unserer Nahrungsmittel wachsen auf Böden. Den endlichen, gesunden Boden zu schützen, ist daher unumgänglich. Wie schaffen wir das?
Weg von Monokultur und Reinkultur
Ein gesunder Boden enthält ausreichend organische Substanz (Humus), welche die Bodenstruktur verbessert sowie Wasser und Nährstoffe speichert. Eine hohe biologische Vielfalt aus Bakterien, Pilzen, Regenwürmern und anderen Bodenorganismen ist entscheidend für die Bodenfruchtbarkeit. Gesunde Böden verfügen eine lockere und stabile Struktur, die den Wurzeln optimale Wachstumsbedingungen bietet.
Schwere Maschinen verdichten die Bodenstruktur und beeinträchtigen das Bodenleben. Vielfältige Kulturen tragen dazu bei, die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten und Krankheiten sowie Schädlingsbefall vorzubeugen. Eine dauerhafte Bodenbedeckung durch Pflanzen, Zwischenfrüchte oder Mulch schützt vor Erosion, Austrocknung und Nährstoffverlusten.
Der Ackerbau der modernen Landwirtschaft ist heute großteils von kurzlebigen Monokulturen geprägt. Das stellt ein erhebliches Problem dar: 86 Prozent der weltweiten Nahrungsenergiezufuhr stammen von lediglich 17 Nutzpflanzenarten, obwohl es mehrere Tausend gibt. 90 Prozent der Nutzpflanzensorten sind in den letzten 100 Jahren verschwunden.
Monokulturen führen langfristig zu Nährstoffmangel, Bodenerosion, einer Verschlechterung der Bodenstruktur und zum Verlust der Biodiversität.
In Österreich besteht im Vergleich zu anderen EU-Ländern ein ausgeprägtes Bewusstsein für die Vorteile einer biologisch geführten Landwirtschaft. Aber auch hier spüren Bäuerinnen und Bauern den wirtschaftlichen Druck, einheitlicher und in größerem Stil zu produzieren. Problematisch bleiben zudem die in Monokultur bewirtschafteten Flächen zur Produktion von Futtermitteln für die Viehwirtschaft.
Marktgärtnerei als wirtschaftliches Alternativmodell
Eine der vielversprechendsten Antworten auf die Herausforderungen der Landwirtschaft sind Marktgärtnereien, von denen es mittlerweile auch etliche in Oberösterreich gibt. Marktgärtnereien stehen für saisonale Gemüsevielfalt: direkt von den Gärtner:innen erzeugt, in Handarbeit angebaut, auf gesunden Böden gewachsen und voller Geschmack.
Den Boden dabei nicht auszubeuten, ist das grundlegende Prinzip. Er wird nur wenig bearbeitet, Unkraut teilweise als Mulch genutzt und die Gemüsesorten so gepflanzt, dass sie einander ergänzen und die Böden regenerieren. Vom großen Potenzial dieser Form der Landwirtschaft sind die Expert:innen überzeugt, weil dafür nur wenig Fläche nötig ist.
Das wirtschaftliche Modell dahinter ist jenes der Solidarischen Landwirtschaft (SoLaWi). Dabei tragen mehrere private Haushalte die Kosten eines landwirtschaftlichen Betriebs und erhalten als Ernteteiler:innen im Gegenzug ihren Anteil am Gemüseertrag. Ein Kennzeichen der Marktgärtnereien ist Direktvertrieb, etwa über Ernteanteile, Bio-Kisterl oder Wochenmärkte.
„Viel auf einer kleinen Fläche, das gefällt mir gut“,
sagt Ulli Klein von der Marktgärtnerei „Kleine Farm“.
„Die Marktgärtnerei ist ein biointensives Verfahren, das aufgrund der Methoden, die wir anwenden, sehr produktiv ist“,
ergänzt Alfred Grand vom „Grand Garten“.
Eine nachhaltige Landwirtschaft ist möglich
Nicht nur die Betreiber:innen von Marktgärtnereien sind davon überzeugt. Auch die Welternährungsorganisation FAO betont, dass eine nachhaltige Landwirtschaft möglich ist, ohne Böden auszuhungern oder Menschen von einer ausreichenden Ernährung auszuschließen.
Sie ist möglich, wenn Länder und Regionen ihre Lebensmittelproduktion stärker auf lokale Bedürfnisse statt auf globale Exportmärkte ausrichten. Konkret bedeutet das, kleinbäuerliche Betriebe durch faire Preise, Beratung sowie Zugang zu Land, Wasser und Saatgut zu stärken.
Agrarökologische Methoden, wie sie in Marktgärtnereien angewendet werden, können Erträge steigern und gleichzeitig Böden, Wasser und Biodiversität schützen.
Es ist genug für alle.
